Unterm Schlossberg reift der Wein

Weingut Gasthaus Zum Hirsch

Weingut Gasthaus “Zum Hirsch”

Besitzer: Walter Gehrig
64646 Heppenheim a.d. Bergstrasse
Siegfriedstrasse 8
Telefon: 06252 - 2534
Mobil: 0160 - 806 47 42

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Unterm Schlossberg reift der WeinDas Kellergewölbe im Weingut Gasthaus “Zum Hirsch”

JUNGSPUND IM KELLER: Winzer und Wirt Walter Gehrig mit Enkel Lukas im alten Keller unterm Heppenheimer Schlossberg. (Foto: Lutz Igiel)

Es ist ein uralter Keller im Schlossberg, Heppenheims Hausberg, in dem die Weine des Winzers Walter Gehrig reifen. Im Jahr 1648 wurde das Gewölbe unmittelbar hinter dem Anwesen der Familie an der Siegfriedstraße, die hier zum Tor zum Odenwald wird, in den Berg gehauen, sommers wie winters herrscht dort eine Temperatur von acht Grad. Weine werden in dem Keller allerdings erst seit einigen Jahrzehnten ausgebaut, denn die Geschichte des Weinguts Gehrig ist jung. Sie beginnt in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Damals wurde die Landwirtschaft des Familienbetriebs, der inzwischen von der vierten Generation geführt wird und zu dem seit jeher ein Lokal
(„Zum Hirsch“) gehört, auf Weinbau umgestellt.

Weingut und Lokal, das – nahe liegend – als Weinstube betrieben wird, sind heute untrennbar miteinander verbunden. Eine Konstellation, die Walter Gehrig bis zu achtzig Stunden Arbeit in der Woche beschert. Morgens Weinberg, abends Wirtschaft, es gibt viel zu tun. Der Techniker für Weinbau- und Kellerwirtschaft weiß: „Ich kann nur in der Verbindung Weingut und Weinstube im Wettbewerb erfolgreich sein.“ Es sind ausschließlich Weißweine, die in seinem Keller reifen. Fünfzig Prozent werden in Holzfässern, fünfzig Prozent in Kunststoff ausgebaut. Die Rotweine auf der Karte kommen aus anderen Betrieben. Und das ausschließlich von der Bergstraße. Da ist der Winzer und Wirt Lokalpatriot. Mit Blick auf anderen Anbaugebiete im In- und Ausland sagt der Heppenheimer Weinmacher selbstbewusst: „Wir brauchen uns vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.“

Gehrig, der in seinem Weingut selbstverständlich die Möglichkeit zur Verkostung bietet, zählt auf Tradition, der Anbau von Rotwein ist trotz des Trends am Markt für ihn kein Thema. Es fehlt die Zeit, hier ein weiteres Standbein zu schaffen. Gleiches gilt für Versuche mit dem Ausbau im Barrique. Der Einundfünfzigjährige bearbeitet 3,2 Hektar Weinberge in den Lagen Eckweg, Guldenzoll, Steinkopf und Maiberg. Geerntet wird auf einem Drittel der Fläche mit dem Vollernter, eine Entwicklung, die sich nach seiner Überzeugung aus ökonomischen Zwängen fortsetzen wird.

Gehrig baut vor allem Riesling an. In einigen seiner Wingerte stehen aber auch Ruländer-, Müller-Thurgau- und Traminerstöcke. Pro Jahr füllt er bis zu 20 000 Liter Wein ab. Die Preise je Flasche bewegen sich im Straßenverkauf zwischen drei und neunzehn Euro, die obere Grenze markieren dabei Auslesen. Viele Literweine werden bei Gehrig schon seit einiger Zeit mit Kunststoffpfropfen verschlossen, Drehverschlüsse könnten folgen. Auf die Prädikatsweine kommen nach wie vor klassische Korken. Mit im Sortiment des Betriebs sind auch ein Trester- und ein Hefebrand sowie verschiedene Sekte aus eigenen Erzeugnissen.

Seine Ausbildung zum Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft hat er in Veitshöchheim bei Würzburg gemacht, anschließend war er vierzehn Jahre lang als Kellermeister in einem Großbetrieb nahe Baden-Baden beschäftigt. Im Jahre 1986 übernahm er den Betrieb seiner Eltern, Adolf und Margot Gehrig. Interesse und Pflichtgefühl kamen dabei zusammen. In den folgenden Jahren verdoppelte der Winzer die Weinbergsfläche auf den derzeitigen Stand.

Das Weingut betreibt Walter Gehrig, Vater von zwei erwachsenen Kindern, mit einem Mitarbeiter, im Lokal beschäftigt er fünf weitere Leute. Für ihn selbst kommt zur Arbeit im Wingert und am Tresen noch der kaufmännische Bereich hinzu, der wegen der zunehmenden gesetzlichen Vorgaben immer zeitintensiver wird. Für den Weingutchef wenig erfreulich, denn er räumt ein: „Ich bin kein Büromensch.“

Gehrig fühlt sich im Freien wohl. Er erzählt: „Ich war schon als Kind mit meinem Vater in den Weinbergen, und es hat Spaß gemacht.“ So ist es heute noch. Und in der eng bemessenen Freizeit lässt sich der Winzer auf dem Motorrad den Wind um die Nase wehen. Sämtliche Weinanbaugebiete in den alten deutschen Bundesländern hat er so schon bereist. Im September will er nun zu einer Tour in die neuen Länder, in die Weinregionen Sachsen und Saale-Unstrut, aufbrechen. Der Urlaub kurz vor der Lese, wenn die Arbeit im Weinberg abgeschlossen ist und es der Natur überlassen bleibt, den Trauben die letzte Reife zu geben, hat bei ihm seit Jahren Bestand.

Die lahmende Konjunktur spürt Gehrig als Winzer und Wirt wie andere Unternehmer zur Zeit auch. Doch wirklich klagen, das sagt er freimütig, muss er nicht. Was er viel deutlicher merkt, ist die Herabsetzung der Alkoholgrenze für Autofahrer auf 0,5 Promille. Als Folge wird im Lokal manches Glas weniger getrunken. Doch den Verkauf im Weingut dürfte dies nicht berühren.

Im Wettbewerb sieht Gehrig sich und seine Kollegen von der Bergstraße gut aufgestellt: „Ich habe den Eindruck, dass sich die Bergsträßer Weine in Zukunft gut behaupten können. Qualität zahlt sich aus.“ Bleibt die Frage, welchen Wein er in einem ruhigen Moment bevorzugt? Gehrig: „Ich trinke gerne einen trockenen Wein und hin und wieder eine Spätlese.“

Echo-online / Thomas Zelinger 21.6.2003

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